Was ist Crowdfunding?

Beim Crowdfunding finanzieren viele Menschen gemeinsam ein Projekt. Der Begriff tauchte erstmals im Jahr 2006 auf, als es die Plattform sellaband.com Künstlern ermöglichte, ihr Album durch Fans vorfinanzieren zu lassen. Anders als beim Fundraising bekommen die Geldgeber beim Crowdfunding zum Beispiel das fertige Werk (Vorfinanzierung), individuelle Geschenke (Dankeschöns), Medialeistungen (Sponsoring), Möglichkeit der Kulturförderung (CSR), eine Spendenquittung oder eine Gewinnbeteiligung. Unterstützer erhalten darüber hinaus eine emotionale Beteiligung am Projekt, Unterhaltung & Entertainment durch den Projektverlauf und einen Wissensvorsprung durch interne Informationen, die nur für Unterstützer bereit gestellt werden.

So funktioniert Crowdfunding

Phasen beim Crowdfunding

Crowdfunding in Deutschland

In Deutschland ist im September 2010 mit startnext.de die erste Crowdfunding Plattform gestartet. Die Herausforderung ist es auf die vorherrschende Vereins- und Förderlandschaft in Deutschland einzugehen. Die deutsche Kulturlandschaft ist stark an die Förderung durch die öffentliche Hand gebunden. Derzeit übernimmt der Staat 90% aller Kulturausgaben, was rund 8 Mrd. Euro beträgt. Die restlichen 10 % in Höhe von 600 Millionen werden durch private Investoren geleistet - davon sind 400 Millionen Sponsorings, 50 Millionen Spenden und 150 Millionen kommen über Stiftungen.

Zum einen verringern sich, laut der Kulturstiftung der Länder, die Kulturausgaben des Landes jährlich um 220 Millionen Euro. Und zum anderen findet das Prinzip des von Chris Anderson formulierten Long-Tails auch im Bereich Kunst und Kultur immer stärker Anwendung. Die Produktion dieser Projekte wird durch sinkende Technikkosten immer günstiger und die Möglichkeit, das eigene Projekt bekannt zu machen, steigt parallel durch den Erfolg der Kommunikations- und Marketinginstrumente wie Facebook, MySpace und Twitter. Über Plattformen wie iTunes, flimmit.com oder lulu.com kann der Projektinitiator auch den Vertrieb bereits vollständig selbst in die Hand nehmen. So ist der Schritt zur Finanzierung der eigenen Projekte nur eine logische Folge. Zudem können die Projektinitiatoren das Crowdfunding auch zur Marktrecherche nutzen und prüfen wie viele Personen tatsächlich bereit sind Geld für das fertige Produkt zu zahlen. Wurden erst einmal genügend Unterstützer gefunden, ist der Weg zu einem Label, einem Verlag oder Produktionsstudio einfacher, denn auch dieser kann sofort das Potenzial des Projektes und damit das Interesse der Unterstützer online einsehen.

Die Motivation hinter Crowdfunding

Interessierte werden in die Entwicklung eines Projektes mit eingebunden, erfahren Insights und erhalten am Ende für ihre finanzielle Unterstützung Dankeschöns und Vorteile. Die Produzenten vernetzen sich mit ihrer Zielgruppe, hören zu und motivieren diese zum Weiterempfehlen. Gerade das Alles-oder-Nichts-Prinzip ist hier ein wichtiger Hebel. Das benötigte Budget wird erst ausgezahlt, wenn der gesamte Betrag komplett erreichte wurde. Unterstützer, die wirklich wollen, dass dieses Projekt realisiert wird, erzählen es ihren Freunden weiter, um noch vor Ablauf der Deadline die 100% gemeinsam zu erreichen. 

Um die Geldbörse über den Mindestbetrag hinweg zu öffnen, sind die Dankeschöns essentiell. Beim Crowdfunding passiert an dieser Stelle etwas ganz besonderes, was beim klassischen Geschäft auf dem Markt nicht vorkommt – Interessierte geben ein Versprechen ab, das Projekt zu finanzieren ohne zunächst dafür etwas zu bekommen. Die Höhe der Finanzierung machen sie dabei davon abhängig, was ihnen eines der angebotenen Dankeschöns wert ist und sie bereit sind zu geben. So finanziert man vielleicht mit 15€ ganz normal eine CD vor und ist der Erste vor offiziellen Verkaufsstart, der sie in den Händen halten kann. 5€ mehr und der Künstler unterschreibt persönlich die CD. Ab 50 € wird man z.B. zur offiziellen und geheimen Record Release Party eingeladen und für 100 € bekommt man einen Backstage Pass und kann die ganze Band kennen lernen. Die Künstler haben hier die komplette Freiheit zu entscheiden, mit welchen Dankeschöns sie ihre Unterstützer motivieren wollen.

Stehen die Supporter dann erstmal im Abspann des Films, haben eine original unterschriebene CD erhalten oder werden zur privaten Lesung des Buches eingeladen, kann die Mundpropaganda richtig los gehen. Stolz wird darüber im sozialen Netzwerk online und offline berichtet. Auf diesem Weg wurde ein Interessent zu einem Fan. Das Verbreiten dieser Botschaften hätte sonst den Künstler viel Geld gekostet. Der Fan sagt über diesen Weg bereitwillig auch Dankeschön an den Künstler.

Crowdfunding international

Anfang 2009 ist in Amerika mit Kickstarter.com die erste Crowdfunding-Plattform durchgestartet. Bereits über 2.800 Projekte sind hierüber finanziert worden (Stand: September 2010) – vordergründig im Bereich Kunst und Kultur, aber auch Lebensmittelhersteller, Modedesigner und Erfinder haben hier ihren Platz gefunden. Eine Gewinnbeteiligung gibt es auf Kickstarter.com nicht. Die Initiatoren versuchen meist mit einem Video von sich oder dem Projekt zu überzeugen. Nach dem gleichen Vorbild sind mit indiegogo.com und rockethub.com weitere vielversprechende Crowdfunding-Plattformen online gegangen. Mit fundbreak.com oder sonicangel.com wagen sich nach sellaband.com nun auch die ersten Länder außerhalb von Amerika an das Thema Crowdfunding im Bereich Projektfinanzierung. 
Diaspora auf Kickstarter.comAls Leuchtturm ist das Projekt „Diaspora“ im Juni 2010 durch die Presse gegangen und hat das Thema Crowdfunding einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Für die Entwicklung einer Internetplattform haben vier Studenten 10.000 US-Dollar gesucht. Mit der Plattform wurde Facebook der Kampf angesagt und angekündigt ein Pendant zu entwickeln, was bessere Vorkehrungen im Bereich Datenschutz treffen wird und die Daten seiner Nutzer dezentral immer auf dem eigenen Rechner des Anwenders speichert. Dies fand enormen Zuspruch in der Bevölkerung, die das Projekt gemeinsam mit 200.641 US-Dollar überfinanziert hat. Unter den 6479 Spendern befand sich auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg. Im Interview mit dem Magazin Wired sagte Zuckerberg: „I donated. I think it is a cool idea.“

Zur Übersicht: Crowdfunding international best cases

Die Geschichte von Crowdfunding

Artistshare im Jahr 2004 Der Begriff tauchte erstmals  im Jahr 2006 auf, als es die Plattform sellaband.com Künstlern ermöglichte, ihr Album durch Fans vorfinanzieren zu lassen. Bei sellaband.com werden die Unterstützer als „Believer“ bezeichnet und erhalten für zehn englische Pfund einen sogenannten Part, mit dem diese am Verkauf des Albums beteiligt werden sowie eine limitierte Version der CD mit Unterschrift der Musiker bekommen. Als Crowdfunding-Pionier im Internet gilt die Plattform ArtistShare.com, die im Jahr 2000 von Brian Camelio gegründet wurde. Dieser ist selbst ein professioneller Musiker und Produzent und rief die Plattform als Reaktion auf die Entwicklungen des Raubkopierens und den Bestrebungen der Musikindustrie für ein digitales Rechtemanagement ins Leben. Erstmalig war es damit Musikern möglich, das Geld für die Produktion eines Albums zu erhalten, bevor es veröffentlicht wurde. Als sellaband.com im August 2006 in Europa startete, galt es je 50.000 US-Dollar für Musiker und Bands mit der Hilfe der Believer zu erreichen, um ein Album zu produzieren. Bereits am 2.11.2006 hatte die Band Nemesea 528 Unterstützer zusammen und konnte so ihr Album „In Control“ aufnehmen. In den vergangenen vier Jahren haben es weitere 50 Bands ins Tonstudio bei Sellaband.com geschafft.

Public Enemy auf sellaband.comAnfang 2010 nutzte mit Public Enemy die erste bereits etablierte Band solch eine Crowdfunding-Plattform, um ihr nächstes Album gemeinsam mit Fans und Unterstützern finanzieren zu lassen. Die Band selbst beschreibt auf ihrer Website: „In our six months on SellaBand, we are proud to have broken ground into a new paradigm of music financing and to have learned so much about the fan funding model with our fans.“ Im Oktober 2010 steht das Vorhaben bei 91 Prozent von 75.000 US-Dollar.

Mit Crowdfunding und Crowdinvesting können Projektideen, Erfindungen oder Startups mit der Beteiligung von vielen Menschen finanziert werden. Die Unterstützer bekommen als Gegenleistung individuelle Dankeschöns wie Design-Produkte, Einladungen und signierte Kunstwerke oder sogar eine Gewinnbeteiligung. Durch die frühe Einbindung der Crowd können Innovationen, Kollaboration und Kreativität gefördert werden.

 

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